Monthly Archives: July 2013

Rechtsschutzversicherung und Unabhängigkeit – Teil II

Das Thema der Unabhängigket von Rechtsschutzversicherern kann unter folgenden Aspekten behandelt werden:

  1. Finanzielle Unabhängigkeit
  2. Unabhängigkeit in der Organisation
  3. Unabhängigkeit in der Produktgestaltung und Kalkulation
  4. Unabhängigkeit von Vertriebspartnern
  5. Unabhängigkeit in der Erbringung von Rechtsdienstleistungen

Gesetzlich vorgeschrieben ist nur die unabhängige Schadenerledigung. Alle anderen Punkte haben jedoch – wie zu zeigen sein wird – mindestens einen indirekten Einfluss auf die Schadenerledigung.

1. Finanzielle Unabhängigkeit

Versicherungsgesellschaften müssen bekanntlich finanziell gut ausgestattet sein. Dies darf jedoch nicht über Darlehen geschehen, sondern wird entweder von Aktionären oder von Genossenschaftern gewährleistet. Andere Rechtsformen sind nicht zulässig.

In einer Konzernstruktur, bei der die Aktien der Konzerntochter zu 100% von der Konzernmutter gehalten werden, geht heute jeder davon aus, dass die Konzerntochter abhängig von der Konzernmutter ist und von dieser rundum kontrolliert werden kann. Dies ist auch bei Versicherungsgesellschaften der Fall. Eine Rechtsschutzversicherung, deren Aktien zu 100% von einem Konzern gehalten werden, kann auch zu 100% von diesem Konzern kontrolliert werden. Wer würde an einer solchen Binsenwahrheit zweifeln?

Die Unabhängigkeit der Schadenregulierung ist aufsichtsrechtlich vorgeschrieben. Trotzdem sind die Rechtsschutzversicherer, die zu 100% einem Multibranchenversicherer gehören, bisher unangetastet geblieben. Das mag verschiedene Gründe haben: Einerseits ist die finanzielle Sicherheit in einem gesunden Versicherungskonzern für die bescheidenen Rechtsschutzverhältnisse praktisch unendlich gross. Dieser Aspekt wird von der Aufsichtsbehörde sicher stark gewichtet. Andererseits kann es ja sein, dass ein Versicherungskonzern, obwohl er es jederzeit könnte, de facto gar keinen Einfluss auf die Schadenregulierung eines ihm gehörenden Rechtsschutzversicherers nimmt. Von diesem Heile-Welt-Szenario wird wohl ausgegangen.

Das letzte Wort soll jedoch in meinen Augen ohnehin der Konsument haben. Es ist an ihm, zu entscheiden, wie er diesen Aspekt bei seiner Kaufentscheidung gewichtet. Was er braucht, sind einfach die notwendigen Informationen.

Was bereits unter diesem ersten Punkt gesagt werden kann ist folgendes: Bei rechtspolitischen Entwicklungen kann festgestellt werden, dass Rechtsschutzversicherer, die einem Allbranchenkonzern gehören, in der Regel die rechtspolitische Haltung dieses Konzerns annehmen. Mindestens zwei Rechtsschutzversicherer, die ich von innen gut kenne, haben beispielsweise zu der Zeit, als ich dort tätig war, die zunehmend harte Haltung der Rechtssprechung gegenüber Opfern von Schleudertraumata in Entscheiden von 2004 und 2010 begrüsst. Genau diese Fälle sind es jedoch, bei welchen es den Allbranchenversicherer besonders unangenehm ist, wenn das Unfallopfer rechtsschutzversichert ist.

Wenn ein Rechtsschutzversicherer in einem solchen Fall Aussichtslosigkeit geltend macht, handelt er direkt im Sinne der Unfall-, Haftpflicht- und 2. Säule-Vollversicherer.

Oder anders herum: Weshalb kauft sich ein Allbranchenversicherer eine Rechtsschutzversicherung? Sicher nicht, um durch diese Geld zu verlieren. Ein einziger Schleudertrauma-Fall kann den Allbranchenversicherer teurer zu stehen kommen als der Jahresgewinn seines Rechtsschutzversicherers. Was also wird er tun, wenn sich der Rechtsschutzversicherer konsequent für solche Unfallopfer einsetzt? Die Frage ist rethorisch.

 

 

Unabhängige und eigenständige Rechtsschutzversicherung – Teil I

Artikel 32 des Versicherungsaufsichtsgesetzes sowie die entsprechenden Bestimmungen der Aufsichtsverordnung schreiben – kurz gesagt – vor, dass Rechtsschutzversicherer entweder unabhängig sein müssen oder ihre Schadenregulierung auslagern bzw. den sofortigen freien Anwaltszugang von Anfang an gewährleisten müssen.

In einer Serie von Blog-Beiträgen möchte ich dieses Unabhängigkeitsgebot thematisieren. Hat der Begriff einen Inhalt oder ist es nur ein Werbeslogan? Wie sind die Konkurrenten auf dem Schweizer Markt diesbezüglich unterwegs?

Zugegeben: Als Geschäftsführer der Dextra Rechtsschutz AG, die nun wirklich als einzige Schweizer Rechtsschutzversicherung vollständig eigenständig und unabhängig ist und nicht einmal Vertriebskooperationen mit gebundenen Vertriebsorganisationen pflegt, kann ich gut reden. Ich gebe auch zu, dass wir damit bei den Kunden, Anwälten und unabhängigen Versicherungsmaklern punkten. Aber schliesslich muss ich auch ganz persönlich sagen, dass der ursprüngliche Wunsch, die Dextra zu gründen, unter anderem damit zu tun hatte, dass es sonst keinen eigenständigen Versicherer gab und dass wir alle vier Gründer der Dextra unsere liebe Erfahrung mit Rechtsschutzversicherern gemacht hatten, die eben nicht unabhängig waren.

Ansonsten geht es jedoch in dieser Serie nicht in erster Linie um die Dextra. Ich verfolge vielmehr das Ziel, unsere Kollegen bei den anderen Rechtsschutzversicherungen auch ein Stück weit zu befreien. Dies wiederum soll der Glaubwürdigkeit der Branche nützen. Es soll auch den vielen Geschädigten nützen, die gegen Versicherer kämpfen. Es soll die Rechtssprechung des Bundesgerichts beeinflussen. Es soll auch dem fairen Wettbewerb und der Prämienwahrheit dienen.

Wenn unser Anliegen angekommen sein wird, werden die IT-Systeme von Rechtsschutzversicherern und Allbranchenversicherern nicht mehr verbunden sein, wird es keine Verwaltungsräte, Controller, Aktuare, Personaldienste oder interene Revisioren mehr geben, die bei der Allbranchen-Mutter angestellt sind und gleichzeitig eine Aufgabe bei einem Rechtsschutzversicherer wahrnehmen. Es wird keine Quersubventionierungen, direkten oder indirekten Schadenweisungen oder Produkt-Diktate von Muttergesellschaften mehr geben. All die Instrumente, die zum Schutz der Kunden geschaffen wurden, sollen auch wirklich zu dessen Schutz eingesetzt werden, nicht gegen ihn.

Crowdfunding unter Anwälten – Neuer Prozessfinanzierungs-Ansatz

In Dominique Strebel’s Blog wird ein erfolgreicher erster Versuch beschrieben, unter Anwälten Geld zu sammeln, um einen Prozess zu finanzieren. Continue reading

Dextra Rechtsschutz – seit 6 Monaten online

6 Monate ist es her, seit die Dextra Rechtsschutz AG am 7. Januar 2013 als neue, völlig eigenständige Versicherungsgesellschaft den Betrieb aufgenommen hat. Seither lehrt sie die etablierten Versicherer das Fürchten. Continue reading

“Wie heisst die beste Rechtsschutzversicherung?” – Die meistbeantwortete Frage am Trucker-Festival

Continue reading