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Gründung bis 2012 – Dexgrafie – Teil 1/2

Wie baut man eine neue Versicherungsgesellschaft?

Als ob man einfach die Zutaten zusammen mixen könnte. Oder doch? Es gibt einen Ansatz: Vieles davon befindet sich in meinen früheren Blog-Einträgen von 2012. Einiges könnte man heute noch übernehmen, anderes müsste man vollständig neu bauen. Aber der Fokus bleibt derselbe.

1. Der Fokus Mensch

Nur wer konsequent die Bedürfnissse der Kunden in den Mittelpunkt stellt, kann das beste Produkt anbieten. Befürchtet der Kunde ein rechtliches Ereignis? Fehlt ihm das Geld, um sich zu wehren? Fehlen ihm clevere Anwält*innen? Möchte er jemanden, der ihm stets hilft?

Der Ansatz

  • Rechtsdienstleistungen müssen bezahlbar sein. Seit über 10 Jahren hat sich die Prämienerwartung nicht verändert (HAVE 1/2008 S. 7 vs. Comparis 15.04.2019) und liegt bei durchschnittlichen CHF 300.
  • Einfache Produkte. Ich weiss wovon ich spreche. Nach meinem Hirnschlag vor 16 Monaten musste ich unter anderem wieder neu lesen lernen. Dank Websites, Tageszeitungen und Büchern lernte ich relativ schnell. Andere Texte konnte ich erst nach über einem Jahr wieder lesen und habe heute noch Mühe damit: Beispielsweise Gerichtsentscheide, Anwaltskorrespondenz und Allgemeine Versicherungsbedingungen. Und das, obwohl ich früher hunderte Versicherungsbedingungen entworfen habe. Das macht mich schon nachdenklich. Für wen machen wir denn solche Texte?
  • Erfolgreich. Dabei geht es nicht immer um Verfahren und Geld. Es kann auch um Gerechtigkeit gehen, oder dass ich etwas tun kann, oder dass ich geregelte Vertragsbeziehungen erhalte. Ob es erfahrene Kämpfer*innen, Taktiker*innen oder wissenschaftliche Jurist*innen braucht, ist unterschiedlich. Vertrauen ist das Wichtigste und beinhaltet auch die Freiheit, zwischen Anwält*innen, Jurist*innen oder Chatbots auswählen zu können.

Auf einen Punkt gebracht: bezahlbar, simpel und erfolgreich.

2. Gründung der Dextra, FINMA-Gesuch

Am 29. März 2012 gründeten wir die Dextra. Dani und ich waren schon länger operativ. Patriks und Hugos Einsatz war anfangs 2013 geplant (Schaden und Administration). Sie waren jedoch bei den regelmässigen Sitzungen dabei.

Unsere Rollenverteilung war folgendermassen:

  • Dani war für die Versicherungsaufsicht, Reglemente, Weisungen, Formulare, Beschreibungen, Organisation, Risiko Management, Datenschutz, Zusammenarbeit mit externer Revision, interner Revision, Aktuariat, Legal & Compliance, Aktienbuch und Anlagen zuständig. Er arbeitete eng mit Martin Lanz zusammen, welcher mit uns das FINMA-Gesuch ausarbeitete.
  • Ich war zuständig für Produkte, Tarife, das Marketing, den Makler-Vertrieb, den Online-Vertrieb, die Weiterentwicklung des Businessplans und die Akquisition von Investor*innen.

Am 11. April 2012 präsentierten wir unser Projekt in Bern bei der FINMA.

3. sum.cumo & Dextra

Am 16. März 2012 lernte ich Björn Freter und damit sum.cumo kennen. sum.cumo wurde von da an unser engster Partner. sum.cumo brachte Technologie, Design und Online-Marketing mit. Wir brachten Ideen, Rechtsschutz, Markt und Netzwerk mit. Zusammen waren wir ein unschlagbares Team.

Von da an ging es Schlag auf Schlag:

  • So entstand unser erstes CI-CD am 23.03.2012.
  • Entwicklung des Versicherungssystems und alles, was es zu einer 100%igen online-Technologie brauchte.
  • Pricing, Produkte, Wording, Website.

Die Kampagne

sum.cumo präsentierte unser zweites CI-CD am 23.08.2012 und die erste Vorstudie zur Dextra-Website am 23.08.2012. Wir hatten keine Agentur. Wir wussten, dass es knapp wurde. Wir hatten weder Zeit noch Geld für eine grosse Kampagne. Zuerst dachten wir an ein echtes Schwanen-Shooting (Dextra-Logo). Aber wir wollten nicht wie andere Versicherungsgesellschaften auftreten. Es ging um mehr: Wir wollten keine lächelnden Menschen, Alltags-Situationen und all diesen Mist. Es sollte radikal, spontan, einzigartig und abstrakt werden.

Und so sassen Björn und ich – wie so oft – am 18. September 2012 zusammen am Zürichsee und entwickelten die „Spielsachen-Idee“. Wir suchten Spielsachen und generell Objekte. Einen roten Faden. Wir würden uns Sprüche ausdenken, die zu diesen Objekten passten. Die Website war somit geboren.

Am 9. Oktober 2012 traf ich Annette Fischer und Luigi Giovanni Dileone (sum.cumo) in Basel mit dem Ziel, das Fotokonzept umzusetzen. Die Beiden waren skeptisch: „Du kannst nicht einfach denken, es werde dann von selbst eine Story“. Vielleicht war ich stur. Am 4.  Oktober 2012 setzte ich mich mit meinem 2-jährigen Sohn Yves ins Auto und fuhr durch die ganze Schweiz, um nach Objekten zu suchen. Erste Station war das Lötschental. Zufälligerweise fand ich jemanden in einem Maskenkeller, der diese wunderschönen Lötschentaler-Masken noch herstellt. Die weiteren Objekte kamen durch spontane Ideen von Annette, Luigi, Björn und mir später dazu.

Am 9. Oktober 2012 fand das Shooting bei Annette statt. Wir schauten unsere Objekte an. Zusammen mit den richtigen Sprüchen ergab es am Ende wirklich eine Story. Website Kampagne 02.11.2012.

Der Online-Vertragsabschluss

Aber mit dieser Kampagne war es noch nicht getan. Hinter dieser Website steckte viel Arbeit. Zwar hat sich in diesem Bereich inzwischen viel verändert. Aber irgendwie bleiben die Versicherungen in der Schweiz stehen. Unser Online-Vertragsabschluss (Antragsstrecke) bleibt noch heute einzigartig in der Schweiz (keine manuellen Eingriffe). Wir prägten bei uns den Begriff „no call – no e-mail – no visit“. Mit diesem einfachen, automatisierten, selbsterklärenden Vertragsabschluss, waren wir später gewappnet, als die Dextra schlagartig enorm an Grösse gewann.

4. FINMA-Bewilligung

Am 21. Dezember 2012 erteilte die FINMA die Bewilligung als Versicherung Dextra-Bewilligung-FINMA.

Ende 2012 und Vorschau

Ende Teil 1/2 – bleiben Sie dran. Sie können dem Blog per E-Mail folgen (sidebar rechts).

Vorschau Teil 2 (2013 – 2017): wie geht’s weiter? Am 7. Januar 2013 war Dextra online.