Vergleich Betriebsrechtsschutz mit Vertragsrecht

Lange schon fragen mich verschiedene Blog-Leser nach einem Vergleich der Betriebsrechtsschutzprodukte. Inzwischen habe ich recht viele Anfragen als unabhängiger Berater behandelt und kann aus meiner Erfahrung berichten. Denn nicht alles kann aus den Allgemeinen Versicherungsbedingungen herausgelesen werden. Nichtsdestotrotz, die folgende Tabellenübersicht ist immerhin einmal eine Grundlage, um die Produkte zu vergleichen:

Konkurrenzvergleich Betriebsrechtsschutz 20.03.2012

Im Folgenden versuche ich, Ihnen auch ein paar zusätzliche Informationen zu vermitteln.

Vorweg muss einmal gesagt werden, dass ein Preisvergleich zwischen den Anbietern schwierig ist, weil alle Versicherer nach anderen Kriterien rechnen. Je nach Branche, Lohnsumme und Jahresumsatz ist einmal der eine günstiger, einmal der andere. Am Ende ist jedoch oft nicht der Preis entscheidend. Vielmehr zählt für den einzelnen Betrieb meist der feine Deckungsunterschied beispielsweise im Vertragsrecht. Da selbst Versicherungsmakler ohne juristische Mitarbeiter  inzwischen nicht mehr gerne selbst die Verantwortung übernehmen, wenn es darum geht, ihren Kunden ein Produkt vorzuschlagen, wenden sich einige gerne an mich. Und sehr oft ergibt sich dabei, dass eine viel günstigere Offerte aufgrund eines kleinen Mankos in der Deckung abgelehnt werden muss. Beispiel: Die Vertragsdeckung für ein Handelsunternehmen schliesst nur den Einkauf, nicht aber den Verkauf ein. Oder für eine Beratungsfirma fehlt die Deckung aus Auftragsrecht gegenüber dem Auftraggeber.

In der Praxis oft entscheidend:

  • Wording des Vertragsrechtsschutzes
  • Deckungssumme im Vertragsrecht
  • Beratungsservice
  • Flexibilität bezüglich Spezialwünschen

Klar im Vorteil, was die Vertragsdeckung angeht, sind diejenigen Anbieter, die keinen Numerus Clausus der Vertragstypen kennen, denn da sind generell einmal alle Vertragstypen gegen oben (Lieferanten, Dienstleister) und unten (Kunden) gedeckt. Hier schwingen DAS, CAP, AXA-ARAG und ORION oben aus. Bei PROTEKTA und FORTUNA muss der Versicherte schon genau wissen, mit was für Vertragstypen er es zu tun hat. Wichtig zu wissen: Sowohl PROTEKTA als auch FORTUNA sind auf Anfrage flexibel für Spezialdeckungen. Aber man muss natürlich wissen, was im Standard-Menü fehlt.

Auch die Deckungssumme im Vertragsrecht ist im Gegensatz zum Privatrechtsschutz von grosser Bedeutung, denn es geht im Geschäftsleben rasch einmal um grössere Streitigkeiten. Hier sind die AXA-ARAG und die ORION mit mindestens CHF 150’000 pro Fall die klaren Leader, aber auch PROTEKTA und DAS sind mit CHF 100’000 bei den Leuten. Deckungen von CHF 50’000 wie bei CAP und FORTUNA sind nicht mehr zeitgemäss. Alle Anbieter lassen mit sich reden, wenn es darum geht, die Deckungssumme im Einzelfall zu erhöhen. Aus meiner Erfahrung ist jedoch die AXA-ARAG diesbezüglich am flexibelsten, was wohl mit ihrer Grösse und Risikofähigkeit zu tun hat.

Für kleinere Betriebe wichtig: Der Beratungsservice

Bezüglich des Rechtssupportes halte ich immer wieder fest, dass dies eine der wichtigsten Chancen der Rechtsschutzversicherer ist, um gegenüber den freien Anwälten zu brillieren. Trotzdem gibt es diesbezüglich noch zu wenig Bemühungen auf dem Markt. Alle sagen, sie würden diesen Service bieten, aber in Tat und Wahrheit ist er überall recht stark eingeschränkt. Die FORTUNA hat hier einen guten Ansatz, indem sie auch in nicht gedeckten Fällen eine gewisse Anzahl Stunden pro Jahr anbietet und der Kunde immer auf denselben Betreuer-Juristen zurückgreifen kann.

Erst bei Offertstellung ersichtlich: Die unerwünschten Branchen

Auf Granit stösst man immer wieder, wenn es darum geht, Branchen zu versichern, die ein vermeintlich erhöhtes Streitrisiko bergen. Hier sind CAP, AXA-ARAG und ORION die Leader bezüglich Flexibilität. Sie schauen sich ab einer gewissen Grösse den individuellen Betrieb und dessen Geschichte an und entscheiden dann, ob und zu welcher Prämie sie offerieren.

 

3 responses to “Vergleich Betriebsrechtsschutz mit Vertragsrecht

  1. Es wäre interessant ein paar Beispiele von Branchen zu erfahren, welche als erhöhtes Risiko gelten?

    • Je nach Versicherer ist dies verschieden, aber meist gehört das Bauhauptgewerbe dazu und vor allem die Total- und Generalunternehmer. Dann die Finanzdienstleistungsbranche und der Kunsthandel. Die Rechts-, Steuer- und Wirtschaftsberatung. Bei einigen Anbietern die IT-Branche. Oft werden auch ungerne Architekten und Ingenieure oder Immobilienhändler und -vermittler versichert. Und einige Branchen mit grossen Umsätzen pro Einzelgeschäft werden oft mit höheren Tarifen belastet. Es gibt auch Branchen, die werden zwar ohne weiteres versichert, aber deren Hauptrisiken sind dann oft gar nicht gedeckt. Zum Beispiel die Werbebranche, die oft mit Marken und Lizenzen agiert, ist oft gerade in diesem Bereich nicht zu versichern.

  2. Pingback: Weblinks #24 | Steiger Legal

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